Aktuelle Berichte aus 2018

01.01.18: Silvesterlauf in Gießen (von Sandra)

Ein schöner Lauf zum Jahresende - gehört für mich einfach dazu.
In diesem Jahr war der Lauf wieder sehr schön, hat mich jedoch auch sehr nachdenklich gestimmt. Aber von Anfang an. 
 
Mein letzter Lauf im Jahr 2017 -und in der Altersklasse W 35!- fand in Gießen statt. So stand ich heute bei strahlendem Sonnenschein am Start über 10 Kilometer und verspürte keine große Lust auf einen Straßenlauf. Und schnell? Wie geht das noch gleich? Eine 45er Zeit müsste doch drin sein, oder nicht? Lange nicht gemacht....
Glücklicherweise stellte sich nach einem Kilometer heraus, dass der Lauf überwiegend im Wald auf zum Teil ziemlich matschigen Wegen, hin und wieder sogar auf schmalen Trails mit welligem Profil, verlaufen sollte. Wie sagt man doch so schön: Der Appetit kommt beim Essen, und der Spaß beim Laufen! 
 
So lief ich fröhlich durch den Wald "rund um den Schiffenberg", als ich vielleicht hundert Meter vor mir sah, dass jemand quer auf der Laufstrecke lag. "Da hat der Photograph sich aber eine hinderliche Position ausgesucht, um die besten Photos zu schießen", dachte ich noch bei mir, denn die Läufer vor mir liefen unbeirrt um das "Hindernis" herum oder sprangen sogar darüber hinweg.
Als ich näher kam, merkte ich jedoch, dass es keineswegs ein Photograph war, der sich dort auf die Strecke gelegt hatte, sondern ein Läufer, der gestürzt war, und sich mit schmerzverzerrtem Gesicht den Oberschenkel rieb. Und Läufer nach Läufer rannte an ihm vorbei....
 
Glücklicherweise hatte die Läuferin, die direkt vor mir lief, ein Einsehen, hielt an, und rief aus Leibeskräften nach den Erste-Hilfe-Posten, die auch  prompt zur Stelle waren. 
Sehr nachdenklich gestimmt lief ich weiter. Was muss wohl in den Läufern, die an dem Verletzten vorbei gerannt sind, vorgegangen sein, dass sie ihn einfach ignoriert haben? Haben sie seine missliche Lage nicht bemerkt? Oder lag es gar daran, dass es ein Farbiger war, der gestürzt ist? Hätte ich gestoppt, wenn es nicht die Läuferin vor mir getan hätte? Oh weh, hoffentlich komme ich selbst nie in eine vergleichbare Situation... 
 
Die Zeit oder eine Platzierung wurde bei diesen Gedanken eher zweitrangig. Ich bin glücklich, wieder ein Jahr hinter mich gebracht zu haben, welches ich mit einem Lauf abschließen kann. Wenn man heil im Ziel ankommt, geht es einem doch gut, oder nicht? 
Übrigens erreichte ich das Ziel als sechste Frau und Zweite meiner Altersklasse, in 45:23 Minuten.